Lichterkette zum Gedenken an die Opfer sexueller Gewalt Revive all my fears, revive all these wasted tears, revive this void within... revive me once again


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Ein einsamer Spaziergang

Ich hätte nie gedacht an diesem Ort alleine umherzuwandern, hier wo alles stirbt. Vor meinem Auge verwandeln sich Körper in gestaltloses Fleisch, Fleisch wird zu Staub. Für kurze Zeit nur erwachen die Menschen hier, kommen zu Bewusstsein. Fast alle schreien. Hier wird ihnen für einen kurzen Moment klar, dass so Vieles vergeben war. Ihre Wünsche und ihr Besitz, ihre Bildung und ihr Vermächtnis - was genau unterscheidet sie denn von so vielen anderen vor ihnen? Und was von denen, die dereinst ihnen hier nachfolgen werden? Diese Gemeinsamkeiten machen ihnen Angst, eine übelkeiterregende Furcht, die sich in ihre Herzen schleicht. Wo sind die Dinge, durch die sie sich von den anderen unterscheiden? Sie wissen es nicht, so gut wie alles, was sie dafür hielten, ist bedeutungslos.
Hier an diesem Ort.
Nur wenige schreien nicht, nur wenige erbrechen sich nicht. Sie vergehen mit einer Geduld, die zeigt, dass sie schon lange unterwegs sind. Sie wissen, dass es nicht darauf ankommt, anders zu sein. Was sie nicht wissen ist, worauf es wirklich ankommt. Obwohl sie schon oft hier waren. Ich weiß es. Ich kenne es. Auch ich war hier schon viele Male. Meine Gedanken schweifen weit in die Vergangenheit. All die Leben, die mein waren, all die Erfahrungen, die ich gesammelt habe...
Weiß ich, worauf es hier ankommt? Nein. Ich habe mich nur an diesen Ort gewöhnt.
Zeit!
Die Menschen sorgen sich so sehr um die Zukunft, dabei gehört sie ihnen nicht. Die Zukunft gehört sich selbst, unser Einfluß auf sie ist nur gering. Allein die Gegenwart ist unser Leben, dieser nie endenwollende Strom aus Augenblicken. Da ist er, der Augenblick - und schon vergangen. Hinter uns breiten sich die Felder unserer vergangen Taten und Worte aus, vor uns liegt ein unkontrollierbares Ungetüm, das schon seine Fühler nach uns ausstreckt. Es ist bereit unsere Wünsche und Hoffnungen zu verschlingen und zu zerreissen, sie neu zusammenzusetzen oder gar völlig zu zerschlagen und seine eigenen Vorstellungen über unser Leben zu stülpen.
Immer weiter treibe ich in die Vergangenheit ab. Hier bin ich König und Narr zugleich. König, weil sie mir gehört. Ich kann sie beherrschen wie kaum eine andere Sache. Verfälschen, wenn ich will, mich selbst betrügen und letztlich eine ganz andere Vergangenheit erfinden.
Doch der Narr bin ich, denn die Wahrheit wird irgendwann wieder hervorbrechen - und was habe ich dann von diesem königlichen Selbstbetrug. Der Spiegel des Narren zeigt mir die Wahrheit.
Meine Reflektion im Spiegel vergeht, denn ich vergehe. Dabei sehe ich dich. Erinnere mich an die Begegnungen zwischen uns und an das was zwischen uns gewesen ist. Welch ein Zufall dich hier zu finden. Du windest dich und schreist. Eines Tages wirst du weiter sein, ebenso wie ich noch weiter sein werde. Wir reifen mit jedem Leben. Vielleicht sehen wir uns wieder - irgendwo und irgendwann.
Wir zerinnen zu Fleisch. Meine Gedanken drehen sich um Vergangenes. Deine toten Augen sind das Letzte, was die meinen sehen. Mein Fleisch wird zu Staub.
Zeit! Soviel davon und doch nie genung im Leben. Hier aber, an diesem Ort finde ich Zeit zu sterben.
So viele Leben... so viele Taten... so viele Worte... so viele Herzschläge... so viele Atemzüge.
Der Tod ist nicht das Ende und er wird es für lange Zeit nicht sein. Irgendwann werde ich es verstehen, irgendwann werde ich aus diesem Kreislauf entschwinden. Irgendwann wird es weitergehen, ganz woandershin. Lichtjahre entfernt? Oder an einem Ort an dem Zeit und Raum anders sind, wo es sie nicht gibt?
Das Licht...
Meine Seele zerinnt langsam. Vielleicht zu langsam?
Das Licht...
Auch diesen Ort kenne ich. Etwas entsteht. Ich stürze ins Leben zurück. Die Seele zerfällt, das Bewusstsein, das am Ort, wo alles stirbt, herrschte füllt sich mit Nebel, fällt in einen tiefen Schlummer. Nur das Nötigste wird ins neue Leben hinübergehen. Der Rest wird schlafen, solange bis ich wieder an den Ort zurückkehren werde, an dem alles stirbt. Nach diesem Leben, wenn ich wieder alleine spazieren werde.
Der letzte Gedanke erlischt. Eine Bewegung setzt ein. Ein Tritt.
25.8.10 15:37
 


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